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ARMAGEDDON des Kommunismus. Strategie Wirtschaft und die DDR, Norderstedt 2006

Februar 19, 2008

Volkswagens Griff nach der DDR, die Umsetzung des „Volkswagen-Plans“ zwischen 1976-1990 und die Geschichte des Zusammenbruchs der DDR, unter dem Druck von westdeutscher Industrie und Politik, bilden den zentralen Gegenstand der Untersuchung Sch.’s. Den Anlass dazu bilden wohl die Memoiren Carl H. Hahns, „Meine Jahre mit Volkswagen, München 2005“, die der WELT AM SONNTAG-Redakteur Jacobi mit leichter Feder auf Papier bannte.

Dass in diesem Zusammenhang der Rolle der Volkswagen AG – und deren Ostgeschäft – entscheidende Bedeutung zukam, wird am Bespiel des Pkw-Projektes „Student“ entwickelt, des neuen DDR-„Volks“-Wagens. Dieses Handelsgeschäft stand gleichzeitig in enger Interdependenz mit der bundesdeutschen Außenpolitik und bildete eine Voraussetzung für die Politik des Prinzips, „den Kommunismus unter Bedrohung halten“, wie dies der frühere Flickmanager von Brauchitsch, durch das MfS der DDR angezapft, ausdrückte. Wie eingehend der ostdeutsche Geheimdienst über die Vorstellungen und Absichten der westdeutschen Industriemanager orientiert war, unterstreicht die Tatsache, dass z.B. vier Vertrauensleute des MfS sich im Vorstand der Volkswagen AG befanden. So finden die Ansichten der Unternehmensleitung unter Carl Hahn, in den Gesprächen und Verhandlungen mit der DDR-Wirtschaftsführung, deren detaillierten Niederschlag in den Protokollen des Ministeriums für Staatssicherheit.

Wie intensiv sich die Bemühungen des Volkswagen Konzerns um die Entwicklung von Geschäftsbeziehungen zur DDR-Wirtschaft gestaltete, wird gleichzeitig deutlich durch Vorgänge auf der elementaren Ebene eines Filmprojektes für die Audi AG. Da dieses Ausdruck des Ingolstädter Strebens nach mehr Selbständigkeit von Wolfsburg war, und sich naturgemäß mit den Wurzeln der Auto Union AG (1930-1945) in Sachsen beschäftigte, kam es zur Nagelprobe im Machtkampf zwischen dem Audi-Vorstand Wolfgang R. Habbel und Detmar Grosse Leege einerseits und Carl H. Hahn und Anton Konrad andererseits. Im Zusammenspiel mit MfS und DDR-Staatsführung (G.Mittag/Beil, IM Dr.P.Kircherg) wehrte Wolfsburg diesen Vorstoß Ingolstadts ab (Habbel und Grosse Leege mußten gehen)und nahm dabei in Kauf, dass Sch., der westdeutsche Vertreter der Audi-Bestrebungen, in Gefahr geriet.

Darüber hinaus spielte Wolfsburg mit Informellen Mitarbeitern des MfS in Dresden in dem Bestreben zusammen, die Geschichte des Auto Union Konzerns (in Sonderheit der Unterfirma DKW) weiterhin zentral in der Wolfsburger Abteilung Archiv-Geschichte zu platzieren. Entscheidend für den Abschluß eines „Handelsvertrages“ mit der DDR (November 1984) war jedoch der aufwendige Versuch, ein VW-Modell als „Volks“-Wagen an die DDR zu verkaufen. Die Finanzierung dieses Projektes scheiterte bereits im Ansatz an der desolaten DDR-Wirtschaft, die unfähig war, qualitativ genügende Rumpfmotoren im Zuge der Refinanzierung an Wolfsburg zu liefern. Dennoch blieb Volkswagen strikt dabei, dieses Geschäft durchzuführen und verfolgte diese Vorstellung mit dem Ziel, die DDR sich finanziell zu verpflichten. Damit bestünde in Zukunft – so die Erwartung dieses „Volkswagen-Plans“ – die Chance, die DDR in finanzielle Abhängigkeit von der Bundesrepublik zu manövrieren und damit ein Abschwimmen dieses „cornerstone“ von RGW und Warschauer Pakt nach Westen zu bewirken.

Parallel verfiel zunehmend die Zustimmung der Ostdeutschen zu deren Staat. Die hochbrisanten Quellen aus den Archiven des Ministeriums für Staatssicherheit zeigen die immer aggressiver werdende Stimmung der arbeitenden Bevölkerung, angesichts des mit Händen zu greifenden Missmanagements an Haupt und Gliedern der DDR-Wirtschaft. So werden, neben einer aufschlussreichen Innenansicht des Volkswagen-Konzerns, gleichzeitig die strukturellen Probleme der DDR erkennbar und zeigt sich, wie aussichtsreich der Plan des Wolfsburger Managements war, die DDR-Industrie zum Zulieferer für Volkswagen und damit bereit zu machen, die gesamte DDR finanziell in die Hände des Westens zu manövrieren (Strauß-Kredit/1983).